Der Bund für Lebensmittelrecht und Lebensmittelkunde e.V. (BLL) möchte in seinem Booklet “Mit Sicherheit lecker” “mit sachlichen Informationen zum Abbau von Ängsten im Bereich der Lebensmittel-Verarbeitung” beitragen. Im Comic-Stil sollen Jugendliche von 14 bis 18 Jahren angesprochen werden.
Von sachlichen Informationen kann jedoch nicht die Rede sein. Stattdessen wird versucht, mit einseitig formulierten Halbwahrheiten von den Vorzügen der Industrienahrung zu überzeugen. Wenn wunderts, schließlich agiert der BLL als Lobbyverband der Lebensmittelindustrie.
Hier ein paar zweifelhafte Highlights aus der Broschüre:
Zum Thema “Sicher produziert”
“Trotz der strengen Sicherheitsvorkehrungen kann es, wenn auch selten, zu einer Krise kommen. In einem solchen Fall reagieren die Behörden umgehend. Die EU in Brüssel, nationale Behörden und die Unternehmen arbeiten eng zusammen, um wirkungsvolle Maßnahmen zum Verbraucherschutz zu beschließen und diese schnellstmöglich umzusetzen.”
Dass beim BLL nicht der Verbraucherschutz, sondern das Wohl der Lebensmittelindustrie im Vordergrund steht, belegen die Ereignisse zum Thema Cumarin in Zimt, welche von Foodwatch hier mit einer Chronologie und Original-Schriftverkehr dokumentiert wurden. Dort kann man auch nachlesen, wie auf Druck des BLL Untersuchungsergbnisse systematisch zurückgehalten wurden. Umgehende Reaktion? Fehlanzeige!
Zum Thema “Das Geheimnis um die E-Nummern”
“Für den erfrischend-säuerlichen Geschmack (…) ist Zitronensäure, auch unter dem Pseudonym E 330 bekannt, verantwortlich. Es handelt sich um den gleichen Stoff, der auch in Zitronen und Orangen vorhanden ist.”
Dass Zitronensäure nicht aus Zitronen sondern mit Hilfe eines gentechnisch veränderten Schimmelpilzes hergestellt wird, wird verschwiegen. Auch dass Zitronensäure, die heutzutage in diversen Kinderlebensmitteln in zum Teil hohen Konzentrationen vorhanden ist, den Zahnschmelz angreift, scheint nicht erwähnenswert.
Zum Thema “Zusatzstoffe machen das Leben leichter”
“…denn sie verbessern die Teigeigenschaften. Zum Beispiel sorgen Emulgatoren dafür, dass (…) Brot länger frisch bleibt. Durch den Zusatz von Ascorbinsäure (Vitamin C) ist das Mehl schon nach zwei Tagen optimal für die Backstube geeignet.”
Traditionelle Sauerteigführung in der Backstube? Für den BLL kein Thema, über das es Wert wäre zu berichten.
Zum Thema “Ist Öko denn sicherer?”
“Das fragt sich so mancher Verbraucher. Wissenschaftler haben festgestellt, dass Ökolebensmittel nicht mehr Vitamine oder Mineralstoffe als andere Produkte enthalten und auch nicht `sicherer´ sind als herkömmliche Lebensmittel. Die Produktsicherheit von herkömmlich und ökologisch erzeugten Lebensmitteln ist also absolut vergleichbar.”
Wie bitte? Was ist zum Beispiel mit der Pestizidbelastung von konventionell erzeugtem Obst und Gemüse? Regelmäßige Untersuchungen unabhängiger Labors im Auftrag von Greenpeace belegen, dass Bio besser ist. Nicht nur das, es wurde auch schon mehrfach nachgewiesen, dass verschiedene konventionell erzeugte Produkte die so genannte akute Referenzdosis für bestimmte Pestizide überschreiten und somit die Gesundheit von Kindern akut gefährden können.
Sachliche Information sieht anders aus. Ich warne daher davor, diese (kostenlose) Broschüre bzw. sämtliche vom BLL generierten Verbraucherinformationen unreflektiert für den Schulunterricht zu nutzen.